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4. Unterschiedliche Modultypen

Ist das passende Gehäuse für den gewünschten Zweck gefunden, geht es ans Eingemachte: die Auswahl der Module. Um sie gezielt zu treffen, ist es sinnvoll, zuvor bereits Erfahrungen mit der Architektur fest verdrahteter Synthesizer gesammelt zu haben. Denn ein Eurorack besteht ja aus Modulen, die deren Funktionen sozusagen aufbrechen und Grundelemente einzeln verfügbar machen.

Einsteig mit semi-modularen Synthesizern

Nicht umsonst gibt es daher einige hervorragende semi-modulare Synthesizer mit Eurorack-Kompatibilität auf dem Markt. Geräte wie das Make Noise 0-Coast oder der Moog Mother-32 bieten eine Kombination aus einem fest definierten Signalfluss und einigen Patchpunkten, um ihn zu durchbrechen. Sie erlauben das schnelle Erstellen von tollen Sounds – und parallel bieten sie erste niedrigschwellige Möglichkeiten, um sich mit CV, Gates und modularen Patching-Konzepten auseinanderzusetzen.

Semi-modulare Synths wie der Moog Mother-32 können eigenständig und mit Eurorack-Modulen zusammen genutzt werden.
Semi-modulare Synths wie der Moog Mother-32 können eigenständig und mit Eurorack-Modulen zusammen genutzt werden.

Wenn man dann soweit ist und „all-in“ gehen möchte, können der Mother-32 und seine Moog-Artgenossen, der Subharmonicon und der DFAM in Euroracks eingebaut und ein Modul unter vielen werden.

Und mit „viele“ sind wirklich viele gemeint. Wir können hier leider nicht alle Modultypen und -Funktionen präsentieren, die es gibt, sondern lediglich einen ersten Überblick geben. Wir empfehlen, sich zunächst in vier Hauptkategorien umzusehen: Klangerzeuger, Klangformer, Sequenzer und Hilfsmodule.

Klangerzeuger: Oszillatoren und „Stimmen“

Fangen wir bei der übersichtlichsten Kategorie an: Sound wird im Eurorack meist von Oszillatoren erzeugt. Es gibt, wie auch im Bereich der vorverdrahteten Synthesizer, digitale und analoge Oszillatoren. Sie kosten zwischen 100 und 700 Euro, je nachdem, wie viele Funktionen sie haben und wie hochwertig ihre Bauteile sind. Es gibt jede erdenkliche Art von Syntheseform in Eurorack-Oszillatoren: von vollanalogen Klangwellen über Wavetable- und FM-Synthese bis hin zu granular arbeitenden Samplern ist alles dabei.

Der Piston Honda von IME ist ein dualer Wavetable-Oszillator im Eurorack-Format.]
Der Piston Honda von IME ist ein dualer Wavetable-Oszillator im Eurorack-Format.

Als Alternative zu Oszillatoren gibt es auch vollumfängliche Synthesizer-Stimmen in Modulform, die sequenzierbar sind. Sie sind quasi ein Mix aus Eurorack-Oszillator und semi-modularem Synth und haben haben den Vorteil, dass weniger Patchkabel benötigt werden, um komplexe Sounds zu erzeugen. Allerdings nehmen sie auch einiges an Platz im Rack ein und haben einen fixen Grundsound, der zum eigenen Projekt passen sollte. Beispiele für solche Eurorack-Synth-Stimmen sind etwa der dem Roland SH-1 nachempfundene Intellijel Atlantis oder das Physical Modeling Modul Elements von Mutable Instruments.

Klangformer: Filter, LFOs, Hüllkurven, Effekte und mehr

Der Oszillator-Sound kann durch weiteres Patching anschließend von Klangformern bearbeitet werden. Wer subtraktive Synthese im Moog-Stil bevorzugt, kann etwa einen Filter verwenden, um Teile des klanglichen Frequenzspektrums zum Verstummen zu bringen. Aber auch Wavefolder im Buchla-Stil sind eine Option: Sie können aus einer einfachen Sinus- oder Dreiecks-Welle komplexe, obertonreiche Klänge machen.

Der MiniMod VCF von AJH Synth ist ein Tiefpassfilter im klassischen Moog-Design.
Der MiniMod VCF von AJH Synth ist ein Tiefpassfilter im klassischen Moog-Design.

Um das Timbre noch interessanter zu machen, werden Modulationssignale benötigt. Sie sind der Kern eines jeden modularen Synthesizers: Weil LFOs, Zufallssignale oder Hüllkurven in jeder beliebigen Kombination auf jeden beliebigen Parameter geschickt werden können, sind Eurorack-Patches schon nach wenigen Verkabelungen höchst variabel und komplex.

Modulationssignale können abhängig voneinander in unterschiedliche Patchziele geroutet, in ihrer Auslenkung moduliert oder miteinander gemischt werden. Der Kreativität sind gerade in diesem Bereich des Eurorack keine Grenzen gesetzt, anders als es in konventionellen Synths mit ihren begrenzten Modulationsmatrizen häufig der Fall ist.

Sequenzer

Modulare Synths können mit MIDI-zu-CV-Konvertierungsmodulen mit externen MIDI-Controllern gesteuert werden. Typischerweise kommt aber eher ein Eurorack-Sequenzer zum Einsatz. Geräte wie der Behringer 960, der Squarp Instruments Hermod – der auch MIDI kann! – oder der Frap Tools USTA sind Schaltzentralen vieler Racks.

Sequenzer können Melodien und Modulationssignale erzeugen.
Sequenzer können Melodien und Modulationssignale erzeugen.

Eurorack-Sequenzer machen das Komponieren von Melodien und ganzen Stücken möglich. Viele von ihnen sind digital, was für das Speichern von Noteninformationen für Liveauftritte oder Studioaufnahmen nötig ist. Sie haben viele unterschiedliche Funktionen, definieren sich aber grundlegend durch die Anzahl der verfügbaren Spuren. Es gibt beispielsweise Sequenzer mit vielen Performance-Optionen, aber nur zwei Spuren, oder solche mit vier oder mehr Spuren, von denen einige sogar zum Triggern von Drum-Modulen genutzt werden können.

Hilfsmodule

Abschließend ist da noch die Kategorie der kleinen, unscheinbaren Hilfsmodule. Ohne sie kommt kein gutes Rack aus. Auch hier wollen wir nur ein paar Beispiele nennen: Sogenannte „Multiple“-Module erlauben das Vervielfältigen von Signalen. Switches und Logik-Module helfen beim kreativen Verteilen von Rhythmusinformationen. Quantisierer wandeln stufenlose CV-Signale in melodische Informationen basierend auf Tonleitern um. Und mit Oszilloskopen versteht man CV-Signale und Wellenformen von Oszillatoren besser. Alles sehr nützlich!

Das waren die wichtigsten Eurorack-Modultypen im Schnelldurchlauf. Ach, und es gibt da noch Blindplatten. Sie können über leere Stellen im Rack geschraubt werden, damit nichts hineinfällt und vielleicht einen Kurzschluss verursacht. Das kommt zwar nicht sehr häufig vor, sollte aber dennoch lieber vermieden werden.

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