Eigentlich enthält dieses Buch interessante Stücke, die von echten Menschen sehr gelungen eingespielt worden sind. Die Vielzahl von Noten in Unterschiedlicher Transposition ist auch praktisch.
Falls das Buch für den Gebrauch im Musikunterricht gedacht war: wer diese Tempi spielen kann, braucht solche Bücher und Unterricht nicht mehr.
Ein elementarer Bestandteil dieser Musik sind Verzierungen. Dazu gibt es nur einen ganz kurzen Text, der Fragen offen lässt.
Das größte Manko ist die Notation. Hier wurde Musik, die im originalen Folklore Kontext entweder nach Leadsheets oder Gehör weitergegeben und gespielt wird, für Westeuropäer, die nicht aus dieser Tradition kommen, aufgeschrieben. Alle Wiederholungen sind ohne Wiederholungszeichen ausnotiert, ebenso das spielen von Melodien im Wechsel oder das Tauschen der Inhalte von erster und zweiter Stimme für verschiedenen Instrumente. So hat ein einfaches Stück, das als Leadsheet eine halbe DIN A 4 Seite gefüllt hätte plötzlich drei oder mehr Seiten. Orientierungszeichen fehlen leider auch. Außerdem ist es für ein Harmonie- oder Bassinstrument nicht hilfreich, eine Seite mit 100 F Dur Dreiklängen in Noten zu füllen. Akkordsymbole, Zeilen mit je acht Takten und Markierungen für Formteile wären die Lösung.
Das Stück hat unserem Ensemble durchaus Freude gemacht, aber das Umarbeiten der Noten hat unfassbar viel Zeit in Anspruch genommen.
Leadsheets in verschiedenen Transpositionen und Aufnahmen im halben Tempo wären hilfreicher gewesen.