Auf der Suche nach dem perfekten Delay-Modul bin ich auf das Tapographic Delay gestoßen, als mögliche Alternative zu anderen komplexen Delays wie Rainmaker und Mimeophone. Da ich das Grundkonzept reizvoll fand, hab ich zugeschlagen und wurde nicht enttäuscht. Als erstes fiel mir positiv auf: Das Päckchen enthält neben dem Modul eine richtige Anleitung (bisschen klein gedruckt, aber wozu gibt es PDF?), in der ersteinmal genau erklärt wird, wie ein Multitap-Delay überhaupt funktioniert. Dann kommt ein kurzer Quick-Start-Guide, mit dem man aus dem Stand seine erste "Tapography" eingeben kann. Danach geht es dann an die genaue Erläuterung der einzelnen Knöpfe, Regler und Funktionen, übersichtlich und verständlich. Fragen bleiben praktisch keine offen, alles ergibt sich auch ziemlich logisch und beim Rumprobieren.
Was kann man machen? Man tippt einfach auf den druckempfindlichen Tap-Sensor auf der Front und erhält ein Delay-Muster mit dem getippten Rhythmus. Die Stärke des Fingertippens wirkt sich direkt aus, und zwar wahlweise auf die Lautstärke, auf den Cutoff eines LP-Filters oder auf die Resonanz eines Bandpasses. Diese drei Tap-Typen lassen sich innerhalb eines Delay-Musters aber auch mischen, so dass die Abfolge der Echos aus jedem langweiligen Ton eine interessante Klanglandschaft macht. Mit dem Feedbackregler regelt man logischerweise das Feedback; sollte man natürlich moderat einsetzen, damit es nicht ausartet. Zusätzlich gibt es noch eine Repeatfunktion, die den letzten Tap einfach wieder vorne einspeist, so dass ein Ton, den man ein einziges Mal in den Input schickt, eine sich ständig wiederholende Tapography auslöst. Interessant ist hier, dass der Time-Regler, der normalerweise die Zeit zwischen zwei Taps reguliert, hier dazu dient, das ganze Pattern zu dehnen oder zu stauchen. So kann man sehr leicht dafür sorgen, dass das mehr oder weniger zufällig eingetippte Muster den gesamten Raum zwischen zwei Originalsounds einnimmt, wichtig für die musikalische Rhythmisierung des Ganzen. Auf diese Weise fällt es sehr leicht, eine vorliegende "trockene" Sequenz zum Grooven zu bringen.
Wichtiges Detail: Das Delay hat einen MONO-Eingang, aber einen STEREO-Ausgang. Die Taps werden nach gewählten Einstellungen gleichmäßig oder zufällig auf die beiden Stereokanäle verteilt. Die Variation dieser Einstellungen ist limitiert, aber völlig ausreichend, zumal mit etwas Feedback die Räumlichkeit des Klangs stark zunimmt.
Das TD hat vier Speicherbänke mit jeweils sechs Speicherslots, das Abspeichern des aktuellen Tap-Musters geht sehr einfach und praktisch. Hat man eine Speicherbank mit Mustern gefüllt, kann man diese im laufenden Betrieb sequenzieren, und zwar zufällig oder der Reihe nach. Diesen Tapwechsel kann man entweder mit dem Tap-Button auslösen oder automatisch mit einem externen Trigger. Der Wechsel lässt sich dabei morphen, vollzieht sich also nicht sprunghaft, sondern fließend. Wie schnell das geht, regelt der Morph-Regler. Das ist natürlich wie gemacht für generative Ambient-Klänge, zumal sich dieser wie auch andere Parameter per CV modulieren lassen.
Fazit: Ein Modul, mit dem ich sicherlich lange Spaß haben werde. Allein damit herumzuspielen, was man aus ganz normalen Sequenzen machen kann, kann einen schon lange Zeit beschäftigen. Man hat einfach viel mehr Möglichkeiten als mit einem normalen Delay mit äquidistanten Taps und damit ein tolles Werkzeug zum Schaffen von lebendigen Basslinien, zur Erzeugung organisch klingender Dubchordechos und so weiter.
Für mein Rack eine echte Bereicherung.