Klang:
Das ATV-SG1 liefert einen klaren, vollen Sound mit guter Durchzeichnung. Der Bass fällt etwas zurückhaltend aus, lässt sich in der Nachbearbeitung per EQ jedoch problemlos anheben. Die Direktionalität ist unmittelbar vor dem Mikrofon sehr hoch, ohne dass Umgebungsgeräusche wie Vogelgezwitscher oder Blätterrauschen vollständig unterdrückt werden. Wer ein natürliches Klangbild möchte, bekommt genau das.
Rauschen und Pegelkontrolle:
Ein praktischer Vorteil ist der am Mikrofon selbst regelbare Audiopegel per Drehregler. Zum Beispiel an meiner Canon R5 Mark II lässt sich damit eine sehr saubere Kombination einstellen: internes Audiosignal fast auf null, Mikrofonpegel circa auf 9 von 10 – das Ergebnis ist ein merklich geringeres Grundrauschen in der Aufnahme.
Features:
Das Safety-Track-Feature ist durchdacht: Es teilt das Stereosignal in zwei Mono-Spuren auf, wobei ein Kanal mit −6 dB aufgenommen wird. In lauten Umgebungen oder bei unvorhersehbaren Pegelspitzen schützt das effektiv vor Clipping. Ebenfalls praktisch ist der externe Audioeingang, über den sich ein Lavalier- oder ein Funkempfänger wie der DJI Mic 3 anschließen lässt – letzterer kann direkt auf dem mitgelieferten Zusatzblitzschuh des Mikrofons montiert werden.
Die Auto-Power-On-Funktion schaltet das Mikrofon automatisch mit der Kamera ein und aus, was im Alltag schlicht funktioniert und kein zusätzliches Nachdenken erfordert. Die angegebene Akkulaufzeit von 24 Stunden klingt ambitioniert, konnte ich in der Praxis noch nicht vollständig testen. Der USB-C-Anschluss zum Laden ist jedoch, meiner Meinung nach, der richtige Ansatz – umweltfreundlicher als Einwegbatterien und im Notfall kompatibel mit einer Powerbank auch während der Aufnahme.
Windschutz:
Die mitgelieferte Deadcat macht seinen Job bei starkem Wind ordentlich. In Böen hält er gut stand. Bei einem echtem Sturm dürfte er jedoch an seine Grenzen kommen.
Verarbeitung:
Die Bauweise ist solide, wirkt aber etwas plastiklastig für den Preis. Das Gewicht ist überraschend gering – auf der Kamera kaum zu spüren, was besonders bei längerem Filmen angenehm ist.
Kritikpunkte:
Der Blitzschuhadapter unter dem Mikrofon ist konstruktiv etwas unglücklich gelöst: Beide Schrauben drehen sich gegenläufig. Wer eine festzieht, riskiert die andere zu lösen – in der Praxis kann das dazu führen, dass das Mikrofon nicht vollständig fest sitzt und sich leicht zur Seite dreht. Kein schwerwiegender Fehler, aber unnötig fummelig.
Auch die Deadcat war beim ersten Anbringen ziemlich widerspenstig – gefühlt kurz vor dem Zerreißen. Da sie danach eigentlich dauerhaft draufbleibt, ist das aber nur ein einmaliges Ärgernis.
Pro:
- klarer, voller Klang (Bass per EQ leicht anzuheben)
- niedriges Rauschen durch Pegelkontrolle direkt am Mikrofon
- Safety-Track (-6dB) verhindert Clipping in lauten Situationen
- externer Eingang für Lav oder Funkempfänger
- Auto-Power-On
- lange Akkulaufzeit
- USB-C-Laden
- geringes Gewicht
- Outdoor-tauglich für normale Windbedingungen
Contra:
- Blitzschuhadapter mit gegenläufigen Schrauben unpraktisch
- Deadcat beim ersten Anbringen recht widerspenstig
- etwas viel Plastik in der Verarbeitung