Kurz zu mir: ich mache seit den 90ern Musik in unterschiedlichen Musikrichtungen von Punkrock über Reggae bis Metal, spiele auch Bassgitarre und Schlagzeug. Ich besitze einen Kemper Stage, den Tonex One für kleines Besteck und auch mehrere Röhrenverstärker von Marshall, Fender und Selmer. Das nur kurz, damit der jeder weiß, womit ich vergleiche.
Ich spiele den Ampman meistens über ein 2x12 Cabinet, das in meinem Arbeitszimmer steht, während der XLR-Out ans Interface und bei Bedarf an meine HEDD-Monitore geht. Über den Gitarrenlautsprecher kann ich den Ausgang wirklich nur minimal aufdrehen, das Ding kann ziemlich laut... für einen moderaten Drummer definitiv ausreichend.
Er besitzt einen sehr schönen Clean-Sound den ich meistens mit dem Boost betreibe, da er dadurch schön in die Edge of Breakup-Zone gebracht werden kann. Zusätzlich oder alternativ benutze ich oft den TC Zeus, einen Klon-Nachbau mit dem der Ampman sehr gut harmoniert. Im Clean-Channel nutze ich relativ viel von dem Sagging, dass einige Rezensenten hier als nutzlos empfinden. Dort bringt es ein schönes, nachgiebiges Spielgefühl, etwas Kompression und auch etwas zusätzliche Zerre, die mir gefällt.
Auch der Modern-Channel kann sehr gut klingen, doch dafür muss man das Grundkonzept kennen, dass ich ehrlicherweise erst mit der Hilfe von Chat-GBT so richtig verstanden habe.
Denn alle Regler, bis auf den Output-Regler sind interaktiv d.h. beeinflussen sich gegenseitig. Viele beklagen sich über matschigen, komprimierten Sound, doch richtig bedient muss das nicht sein. Der wichtigste Tipp vorweg: um maximale Dynamik und wenig Matsch zu erreichen, sollte der Master-Regler pro Kanal (nicht der Output-Regler, der die Class-D Endstufe regelt) so weit wie möglich aufgedreht sein. Er entspricht dem Master-Volume am Röhrenamp. Master voll aufgedreht bedeutet maximale Dynamik, das ist nicht nur ein Kanal-Lautstärkeregler!
Den Sagging-Regler, der 8 Stufen besitzt, drehe ich im Modern-Channel nur bis auf die erste Stufe, danach wird es matschig, ganz ohne Sagging fehlt mir etwas die Fatness. Tone, Presence und Resonance bieten viel Spielraum für Anpassung, separate Regler für Bass, Mid und Treble vermisse ich nicht, das macht der Tone-Regler sehr clever ganz alleine.
Warum mir der Ampman gefällt?
Er ist vielseitig, einfach zu bedienen, besitzt keine Menus, ist vollständig analog und damit Latenzfrei, was ich im Vergleich definitiv hören bzw. fühlen kann. Die analoge Lautsprecher-Simulation gehört zu den besten, die ich gehört habe und ist auch für Aufnahmen definitiv nutzbar. Die Aktivierung des Effekt-Loops sowie die Auswahl der Lautsprecher-Simulation wird pro Kanal automatisch gespeichert. Es gibt einen Kopfhörerausgang und ich kann eine normale Gitarrenbox daran betreiben. Es besitzt neben dem Pre-Gain Boost noch einen schaltbaren und einstellbaren Lautstärke-Boost, ist also extrem vielseitig...
Ich habe den Ampman im Angebot für 99€ bekommen, dafür bekommt man bei vielen Herstellern nicht einmal den Boost. Auch für 149€ ein absolutes Schnäppchen.
Und er muss, wenn er richtig eingestellt ist, sich vor den Modelling-Kollegen nicht verstecken vom Amp-Sound her, ist an einer Gitarren-Box aufgrund von Latenzfreiheit für meinen Geschmack sogar überlegen. Nur die Effekte muss man sich dazu kaufen;)