Nach vielen Jahren mit meiner Einsteiger-Yamaha-Pacifica wollte ich endlich auf eine hochwertigere, strat-artige Gitarre mit HH-Bestückung upgraden. Aufgefallen ist mir die Schecter vor allem wegen der Optik. Bei Thomann vor Ort konnte ich das Ausstellungsstück testen; eine Alternative war die relativ neu erschienene Ibanez AZ Standard (HH), ich habe aber auch gleich die Möglichkeit genutzt, Fender Strats und Teles, die Harley Benton Fusion HH und andere auszutesten.
Verarbeitung & Optik: Das Design ist wirklich mein Highlight: klassisch/zeitlos und doch etwas ganz Besonderes, keine klassische „Metal-Schecter“. Die Decke (bzw. sehr wahrscheinlich eher ein Furnier) bei meinem Exemplar ist deutlich dunkler und rötlicher, hat wenig der schwarzen „Spalted Maple“-Linien, aber dafür eine relativ starke „Flammed Maple“-Optik, die unter dem matten Lack ein sehr schönes, dreidimensionales Schimmern erzeugt – wirklich deutlich anders und für mich nochmal viel schöner als auf den Produktfotos oder beim Ausstellungsstück. Wenn man die Produktfotos mit einem „Les Paul Honey Burst“ vergleichen würde, ist mein Exemplar eher ein „Les Paul Bourbon Burst“. Auch der Hals ist deutlich dunkler geröstet als auf den Fotos, die Potiknöpfe sind dunkelrot und der 3-Way-Switch hat eine schwarze Kappe; da sind die Produktfotos also sowieso nicht ganz aktuell. Der Korpus besteht aus drei Teilen und ist rückseitig auch etwas dunkler als auf den Fotos.
Das matte Finish ist hochwertig aufgetragen und bleibt hoffentlich lange so erhalten. Details wie das Binding, die Pickup-Rahmen und die tollen Inlays lassen die Gitarre sehr edel wirken. Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut, jedoch gibt es kleine Abzüge im Detail: Die Griffbrett- und Bundkanten sind zwar nicht scharf, aber bei Sire, Ibanez oder auch meiner Yamaha hatte ich da schon „smoothere“ Enden in der Hand; vielleicht liegt es aber auch am Binding, das man nicht so schön verrunden kann. Am Hals ist eine kleine Leimstelle zwischen Ahorn und Purple Heart spürbar, was der tollen Bespielbarkeit aber keinen Abbruch tut – insgesamt ist der Hals ähnlich dünn wie bei meiner Pacifica geformt und tatsächlich auch etwas dünner als bei der Ibanez AZ.
Ergonomie & Bespielbarkeit: Das Ausstellungsstück war meines Erachtens eher in mäßigem Zustand, und anfangs ist mir direkt die relativ kantige Body-Kontur (durch das Arched Top) aufgefallen. Mein rechter Arm hat sich im Vergleich zu der smoothen Auflagefläche von Fender, Pacifica oder Ibanez AZ nicht so richtig damit anfreunden können. Zum Glück ist die Kante bei meinem Lagerexemplar dann deutlich weniger „schlimm“ ausgefallen und ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Dennoch empfinde ich den Body manchmal als etwas kompakt und kantig; meine Pacifica hat sich da noch natürlicher und bequemer angefühlt.
Das Volume-Poti sitzt tatsächlich sehr nah am Pickup – für mich überhaupt kein Problem bzw. eher ein Vorteil, kann aber je nach Gewohnheit auch störend sein. Größter Wermutstropfen bei meinem Exemplar ist das hohe Gewicht: 3,9 kg für eine Strat-Form sind schon ziemlich viel, aber auch das ist ein Hinweis darauf, dass die Gitarre eben keine klassische Strat ist und durch das verwendete Mahagoni eher Richtung Les Paul oder PRS geht. Die Gitarre war gut eingestellt, lediglich die Saitenlage habe ich noch etwas reduziert; die moderne Konfiguration mit flachem Griffbrett und Jumbo-Bünden ist perfekt für mich.
Hardware: Die Locking Tuner arbeiten gut, lediglich bei meiner G-Saite greifen sie irgendwie nicht direkt, was sich mit neuen Saiten aber beheben lassen sollte. Das Floating Tremolo nutze ich nicht, aber nach einem kurzen Test war die Gitarre nicht mehr 100 % korrekt gestimmt; mir wäre ein Hardtail lieber gewesen. Insgesamt ist die Hardware aber ein gutes Upgrade zu meiner Pacifica.
Klang & Elektronik: Die C-1 Exotic bietet einen warmen, mittenbetonten Grundklang und viel Sustain. Im direkten Vergleich zu einer Ibanez AZ Standard wirkte allein die akustische Resonanz kräftiger und weniger dünn oder „blechern“ – klanglich orientiert sich das Modell schon eher an PRS oder Les Paul als an klassischen Strats. Die Humbucker liefern natürlich nicht so viel Output und Kompression wie aktive Pickups. Da ich aber auch sehr viel Clean/Ambient spiele, bekomme ich gerade mit dem Hals-PU einen warmen, glockigen Klang heraus – mittiger und voller als bei meiner Pacifica, ohne jedoch undifferenziert zu werden. Das gefällt mir sehr gut. Auch mit Verzerrung kommt die Gitarre gut klar, wenn auch eher vintage-orientiert statt modernem Shred-Sound.
Der Split-Coil-Sound ist brauchbar, wenn man mal einen dünneren/funkigeren Sound möchte, fällt in der Lautstärke im Vergleich zum Humbucker aber deutlich ab und klingt für sich genommen weniger „creamy“ als richtige Single Coils. Die Ibanez AZ bietet noch mehr Optionen in der Schaltung, aber mittlerweile schätze ich die Einfachheit mehr und spiele vorwiegend am Hals-Humbucker. Trotzdem will ich die Split-Option nicht missen.
Fazit: Sowohl optisch als auch klanglich eine Brücke aus Vintage und Moderne: Eine wunderschöne Gitarre, die eine zeitlose, sehr edle Optik mit modernen Specs und Features kombiniert. Der Sound ist warm, mittig, druckvoll und durch die Coil-Split-Option kann die Gitarre für verschiedenste Stile gut eingesetzt werden.
Ein gelungenes Upgrade zu meiner Einsteiger-Pacifica, die mir sicherlich für viele Jahre als alleinige Hauptgitarre Freude bereiten wird.