Ich benutze die Endstufe vorwiengend live zur Verstärkung eines Helix Stomp XL bzw. ToneX Pedal mit einer geschlossenen Mesa/Boogie Thiele 1x12 Box mit EVoice Speaker aus den 80ern.
Hinsichtlich Größe und Gewicht ist diese Kombination aus Modeler und Endstufe für mich sogar ein (noch) praktikables Tour-/Flyrig, gerade wenn andernorts Gitarrenboxen vorhanden sind.
Die grundsätzliche Entscheidung in Richtung Digital ist natürlich Geschmacksache. Da gibt es aus meiner Sicht kein Richtig oder Falsch. Ich selbst bin verstärkermaßig in der 80rn mit Röhrentopteilen bzw. Racksystemen sozialisiert worden. Vor geraumer Zeit habe ich mich trotzdem für die Kompaktheit und Flexibilität von Modelern entschieden.
Wer damit seinen Sound zusätzlich auf der Bühne oder "nur" als Monitor über eine richtige Gitarrenbox laufen lassen will, der findet mit der Powervalve 200 eine m.E. sehr flexible Lösung. Puristen werden allerdings schreiend davonlaufen.
Es besteht neben dem oben schon beschriebenen Einsatz mit Modelern zB auch die Möglichkeit, die integrierte Lautsprechersimulation zu nutzen, um "nur" ein klassisches Pedalboard etwa direkt über eine PA laufen zu lassen. Auch das habe ich schon ausprobiert.
Das alles setzt voraus, dass man dieses doch recht spezielle Setup live (und hier dürfte der Haupteinsatzbereich liegen) überhaupt benutzen kann und will.
Wer seinen Modeler ohnehin nur über eine PA/Bühnenmonitore oder in-ears laufen lässt und damit zufrieden ist, wird keinen Bedarf für das Gerät sehen. Dasselbe gilt für all diejenigen, die eine für sie passende FRFR-Lösung auf der Bühne haben. Zu letzterer kann die Powervalve aber eine Alternative bieten.
Ich habe zur Verstärkung von Modelern schon zahlreiche andere Sachen probiert (u.a. HB GPA, SD Powerstage, Returns diverser Topteile bzw. Combos).
Die Powervalve liefert - auch schon ohne den Valvecircuit - und ohne dass man viel drehen müsste ein straffes, fettes und natürliches Klangbild ab. Die Dreiband-Klangregelung finde ich sehr wirkungsvoll und flexibel.
Beim Zuschalten der Röhre entsteht eine deutlich hörbare Veränderung: höhere Lautstärke und mehr bottom-end. Der Ton wird satter. Ob das jetzt "mehr nach einem/wie ein Röhrenamp" klingt, muss jede/r für sich selbst beantworten. Es ergibt sich zumindest ein deutlich anderes Spielgefühl und ein satteres, fetteres Klangbild.
Die (eine (!) und leider nicht veränderbare) eingebaute Speakersimulation kann zB dazu genutzt werden das Signal an eine PA weiterzuleiten. Wer das ohnehin direkt aus seinem Modeler mit der dort verwendeten IR o.a. tut, wird diese Möglichkeit ebensowenig nutzen wie den möglichen Kopfhörerbetrieb direkt an der Endstufe. Auch zusammen mit einem Pedalbiard liefert die Speakersimulation aber sehr natürlich klingende Ergebnisse direkt in über eine PA.
Wer auf seinem Modeler Rechenleistung sparen will oder die nicht die Möglichkeit hat, zwei Signalwege zu generieren, wird die eingebaute Speakersimulation aber vielleicht auch deshalb mit Freude nutzen. Ich finde sie sehr ausgewogen und man merkt, dass sich die Entwickler viel Mühe gegeben gaben, sie für einen breiten Anwendungsbereichb zu konzipieren.
Die Verarbeitung der Endstufe ist robust, Die Regler gut handhabbar. Die Powervalve wird allerdings im längeren Betrieb recht warm (aber nicht heiß). Laustärkemäßig hatte ich bislang überhaupt keine Probleme, auch auf größeren Bühnen mit vergleichsweise lautem Schlagzeug. Die Leistung ist m. E. üppig bemessen.
Den Preis werden viele als hoch empfinden. Das sehe ich auch so. Man bekommt aber natürlich auch ein durchdachtes, robustes und wertiges Gerät "handmade in the UK, aber angesichts des doch recht speziellen Anwendungszwechs, muss sich jede/r gut überlegen, ob es das tatsächlich braucht. Es gibt weitaus günstigere, noch kleinere und (noch) leichtere Endstufen, die ebenfalls recht gute Ergebnisse liefern.
Für meine Zwecke ist die Powervalve aber eine sehr gute und flexible Möglichkeit für zusätzlichen Gitarrenton auf der Bühne und damit einem zusätzlichen fetten "Plus" im Gesamtklangbild, der einem überdies ein deutliches "mehr" an Spielgefühl geben kann. Im Vergleich hebt sie sich damit für meine Ohren von anderen gleichartigen Endstufen oder FRFR-Lösungen ab. Wer bereits eine echte Gitarrenbox besitzt und mit deren Klang zufrieden ist, sollte sich nicht scheuen, die Powervalve zumindest mal anzutesten.